Von der Frucht zum Obstbrand
Das Vergären der Maische und das Destillieren sind komplizierte chemisch-physikalische Vorgänge. Ausgangsmaterial ist die Frucht. Sie muss sauber und gut ausgereift geerntet werden. Manche Sorten läßt man noch einige Tage nachreifen, bevor man sie einmaischt. Dabei wird das Obst mit dem Muser zerkleinert und im Fass zur Gärung angesetzt. Steinobst lässt man nicht durch den Muser, um keine Steine zu zerschlagen. Damit vermeidet man die Bildung von Ethylcarbamat, einen unerwünschten Stoff im Schnaps. Der Zucker wird während der Gärung von Hefepilzen zu Alkohol abgebaut. Wichtig ist, dass die Gärung möglichst rein und unbelastet von anderen Reaktionen abläuft. Saubere Fässer, gesundes vollreifes Obst, eine rasch einsetzende Gärung, ein tiefer pH-Wert der Maische und gut verschlossene Fässer sind Mindestanforderungen für eine erfolgreiche Gärung. Ein mit schweffliger Säure gefülltes Gärröhrchen sorgt dafür, dass Gärgase nach außen entweichen, Krankheitskeime mit der Außenluft aber nicht eindringen können. Für Edelbrände kommt noch einiges dazu, wie zum Beispiel eine spezielle Obstsortenwahl. Für Williams ist das bekannt, ähnliches gilt für die Apfelsorten Gravensteiner und Boskop. Zum Brennen wird die Maische nach Beendigung der Gärung, oder auch einige Wochen bis Monate später, in die Brennblase gefüllt und erhitzt. Dabei wird der Alkohol durch Verdampfung (Siedepunkt 78,3 Grad Celsius) und anschließendes Abkühlen zusammen mit den gewünschten Aromastoffen aus der Maische abgesondert. Obstbrände müssen sehr exakt destilliert werden, weil anfangs und am Ende des Brennvorganges unerwünschte Inhaltsstoffe auftreten. Bei manchen Bränden kann nur ein relativ eng begrenzter Zwischenlauf als Schnaps verwendet werden. Vorlauf und Nachlauf werden abgeschieden und kommen zur Ablieferung. Die Entscheidung, wann der Vorlauf endet, beziehungsweise der Nachlauf beginnt, fällt der Brenner letztlich durchs Probieren. Es gibt noch keine Messgeräte, die das geschmackliche Empfinden eines guten Brenners erreichen können. Der Alkohol-gehalt des guten Zwischenlaufes liegt weit höher, als es für den fertigen Schnaps sinnvoll wäre. Wieder ist die Zunge des Brenners gefragt, um zu entscheiden, bei welchen Alkoholgehalt zwischen 37,5 und 45 Volumenprozent der Schnaps am besten ist. Eingestellt wird der Alkoholgehalt des Schnapses bei 20 Grad Celsius Temperatur durch Zugabe von Wasser. Nach einer Lagerzeit von einigen Monaten bis zu einen Jahr hat der Schnaps von seiner ursprünglichen Schärfe etwas eingebüßt, ist abgerundet und hat seine optimale Qualität erreicht. Der letzte Schritt vor dem Abfüllen in Flaschen ist das Filtrieren des Schnapses. Alkohol geht mit Pektinen und anderen natürlichen Inhaltsstoffen der Frucht eine Verbindung ein, die sich meist in hellen Ausflockungen zeigt. Der Brenner kühlt nun den Schnaps auf null Grad oder etwas darunter und filtert die dadurch entstehenden Flocken ab. Nach einer letzten Überprüfung des Alkoholgehaltes steht dem Abfüllen nichts mehr im Wege.